Wo meine Vorliebe für „digital“ endet

Gerade eben habe ich die letzte meiner „Adipositas“ Gruppen auf Facebook verlassen. Die „sind Sie sicher“ Frage locker und ohne Bedauern mit „ja“ bestätigt und ich habe mich gleich weniger gestresst gefühlt. 

Nicht falsch verstehen, ich bin und bleibe ein Digitalnomade – ein Social Media Junkie. Dieser Blogpost könnte auch sehr gut auf meinem anderen Blog http://www.dieweltenverbinden.de erscheinen. 

Ich nutze Facebook Gruppen, Google+ Communities der Twitter Listen für die verschiedensten Themen. Aber eines habe ich gelernt: für Themen, die das persönliche Befinden angehen, eignen sich diese gar nicht. 

Aber von Anfang an: eine der Empfehlungen nach der OP war die Teilnahme an einer Selbsthilfegruppe. Wir haben in Frankfurt zwei, von denen ich weiß. Eine in der Klinik Sachsenhausen und eine im Krankenhaus Nordwest. Leider haben die beide so blöde Zeiten für berufstätige Menschen, dass ich dort nur ein paar Mal hingehen könnte. 

Außerdem bin ich ja viel unterwegs, also sah ich mich online um. Der Rest meines Lebens findet ja auch online statt, warum also nicht auch dieser Teil? 

Im Forum des Adipositas Chirurgie Selbsthilfe e.V. ist es eher tot und so fiel meine Wahl auf Facebook, da ich dort sowieso täglich bin. Ich fand auch ein paar Gruppen die thematisch getrennt waren nach „Vorbereitung auf die OP“ und „das Leben nach der OP“. Ich habe mich bei 3 verschiedenen Gruppen angemeldet. Positiv fand ich schon mal, dass eine kurze Überprüfung durch einen der Admins gab und dort nicht jeder auftauchen konnte. 

Aber ich gebe zu, nach meiner Vorstellung und Austausch in den ersten Threads war ich dort nicht mehr aktiv. Denn schon sehr schnell bekam ich den Eindruck, dass ein Austausch von vielen gar nicht gewollt war. Besonders von vielen, die sich auf die OP vorbereiten – wenn man dass denn „Vorbereitung“ nennen kann. Rückfragen waren nicht erlaubt, auch Anregungen waren nicht gewollt. Eigentlich sollte nur bestätigt werden. 

In der Gruppe für die Zeit nach der OP wurde gejammert und sich über jedes kleine Fitzelchen beschwert. Denjenigen, die dann mal sagten „das hast Du doch vorher gewusst“ wurde sofort mangelnden Empathie vorgeworfen. Aber entschuldige, auch ich finde eine Aussage wie „ich würde die OP nie wieder machen lassen“ 3 Tage Post-OP einfach total unangebracht. Vor allen Dingen, wenn man die so stehen lässt. 

Und so ging es weiter. Ein vernünftiger Frage- und Antwortmodus war überhaupt nicht möglich. Es wurde sofort persönlich, wenn nicht 100%ig zugestimmt und unterstützt wurde. Und da hört meine Vorliebe für das digitale Leben dann auf. Wenn das Verstecken hinter Profilbildern dazu genutzt wird, andere in einer sehr empfindlichen Phase ihres Lebens zu verunsichern. Oder wenn sich selbst online so wichtig genommen wird. 

Ich hatte Glück, ich hatte eine tolle OP Aufklärung. Aber wenn ich mir andere in den Gruppen so durchlesen, dann hatten die das entweder nicht oder sie haben nicht zugehört. Vielleicht eine Mischung aus beidem.  

Mir war das Rumgezicke zu anstrengend und auch nicht zielführend. Und so habe ich mit meinem Arzt abgesprochen, dass meine Karriere in Selbsthilfegruppen nach einem Jahr vorbei sei 🙂 

Aber keine Bange – online findet Ihr mich dennoch weiterhin. 

2 Gedanken zu “Wo meine Vorliebe für „digital“ endet

  1. Na meine Liebe Barbara , Du weißt doch das die Menschen meistens nur möchten das wir Ihnen nach dem Mund reden ! Nun gut dazu gehören wir beide nicht ! Es ist sicherlich au h schwierig das geschriebene ins positive zu ziehen , da ja für die meisten das Glas immer halb leer ist ! Du machst es toll und ich wäre froh mich auf gehobener Ebene austauschen zu dürfen ! Alles liebe Biene Wichert

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    1. Ich hatte die Hoffnung, dass in so einer Selbsthilfegruppen die Leute tatsächlich an „Hilfe zur Selbsthilfe“ interessiert wären. Aber auf FB anscheinend nicht. Ich trenne nur nicht nach virtuellem und nicht-virtuellem Leben … mein Fehler 🙂

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