Ein „fetter Tag“? – Ein Erklärungsversuch

Vor kurzem hatte ich einem Freund gegenüber erwähnt, dass ich einfach einen „fetten Tag“ hatte. Er stockte kurz und sagte „wie fett? Du bist doch mittlerweile schlank wie ein Reh“.

Ist er nicht süß?

Aber er fragte dann nach, was denn ein fetter Tag sei.

Ich hatte ja schon mal von den „dicken Momenten“ geschrieben. (hier nachzulesen in: Der Kopf wird nicht  mitoperiert)

Das sind die, in denen man sich selber seines neuen schlanken Ichs und seiner Abnahme nicht wirklich bewusst ist.

Und ein fetter Tag? Das ist so etwas ähnliches, nur schlimmer, länger und ausgeprägter.

Ich bin mir sicher, dass jede Frau (und auch jeder Mann, aber ich bleibe mal bei uns Frauen) den Tag kennt, an dem sie morgens aufsteht und sich einfach ätzend fühlt. Die Haare wollen nicht so, wie man selbst will, das Make-Up kann die fahle Haut auch nicht verdecken, die Klamotten sitzen nicht, egal, wie oft man sich umzieht oder daran herumzuppelt.

Meistens tut man dann sein Bestes, um durch den Tag zu kommen und gut ist’s – am nächsten Tag ist alles wieder prima.

Und bei uns? Also bei uns Magenbypass-Patienten? Naja, da wird so ein Tag eben ein „fetter Tag“.

Dann sind es nicht die Haut oder die Haare. Es ist die Kleidung, die nicht sitzt. Oder das Essen, dass dem Magen zusetzt. Der arbeitet und grummelt vor sich hin, ich fühle mich dadurch aufgebläht und fett.

Und ich schwöre, da sind über der Hose auf einmal Fettpolster an den Hüften, die vorher nicht in der Ausprägung da waren. Also wirklich, die sind doch über Nacht um das dreifache angewachsen?!?!

Und ist mein Bauch nicht auch dicker geworden? Und ausserdem kneift doch die Jeans  überall, oder nicht?

An diesen Tagen gehe ich morgens und abends auf die Waage und noch nicht mal die Zahl, die ich sehe (denn natürlich habe ich weder über Nacht noch tagsüber 60kg zugenommen), kann mich davon überzeugen, dass ich NICHT fett bin.

Es ist einfach alles bäh und ich vermeide jeden Blick in den Spiegel. ICH!! Die im Normalfall an keinem Schaufenster vorbei kommt, ohne einen Blick reinzuwerfen.

DAS ist ein fetter Tag – und was soll ich sagen? Ich tue mein Bestes, um durch den Tag zu kommen und gut ist’s — wie jede andere Frau auch 🙂

Und im Nachhinein bin ich in solchen Momenten dankbar, dass nach der Magenbypass OP eine psychologische Betreuung vorgesehen war, die einen genau auf solche Momente vorbereiten soll.

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