Weiter geht’s von Lorch nach Kaub

Unser zweiter Tag auf dem Rheinsteig. Heute sollte es von Lorch nach Kaub gehen.

Man sollte es nicht meinen, aber wir lagen gestern um 21 Uhr im Bett (und es sollte sich über die nächsten Tage herausstellen, dass das für uns schon „mitten in der Nacht“ war) – total erledigt von unserer ersten Etappen und dem Abendessen mit verbundener Weinverkostung.

Am Morgen nach dem Aufstehen wurden erstmal die Muskeln gestreckt und Knochen nach Wehwechen überprüft. Meine Frage „und, wie geht’s?“ wurde mit einem „Die Beine waren schon mal leichter, aber ansonsten alles gut“ beantwortet. So ungefähr fühlte ich mich auch. Keinen heftigen Muskelkater, aber die Treppe runter ging schon mal einfacher.

Und ausserdem stand heute ja „nur“ eine kurze Etappe von knapp 14 km an. Nach den 22 km gestern quasi etwas zum Ausruhen.

Um 8 Uhr ging es runter zum Frühstück und wie ich es erwartet hatte, war es einfach aber reichlich. Wenn wir am Vortag für unser Lunchpaket im Hotel Höhn in Rüdesheim noch 10 Euro pro Paket bezahlen mussten, wurden wir hier geradezu genötigt, so viel wie möglich mitzunehmen. „Schmiert Euch ruhig alle Brötchen, was am Tisch war, muss ich sonst wegschmeissen.“

Da ich für die Organisation und Navigation zuständig war, überliess ich die „Backschaft“ meiner Schwester und sie hat für uns schöne Proviantbeutel zurecht gemacht.

Nach einem herzlichen Abschied von unserer Wirtin am Morgen „jetzt schnell über die Straße, bevor die nächsten Autos kommen“ ging es also erstmal wieder bergauf.

Irgendwie auch logisch, denn wir müssen ja erstmal von den Orten AM Rheinsteig irgendwie oben AUF den Rheinsteig kommen.

Bei bewölktem Himmel (aber es blieb den ganzen Tag trocken) ging es also los, den Hohlweg hinauf.

Der letzte Weg zur Ruine Nollig ist ein steiles, felsiges und seilgesichertes Stück. Da kann man dann an die „Alpinerfahrung“ auch den ersten Haken machen. Nur den ersten, denn bergab muss man die Erfahrung ja auch machen. Eine kleine Vorschau, die gibt es dann auf der letzten Etappe.

Nach einem tollen Rundblick auf das Rheintal geht es weiter bergauf, wieder mal durch einen Wildzaun, der die Weinberge schützen soll und dann langgezogen auf einer Asphaltstrasse bergab in Richtung Clemenskapelle. Puuh, das geht wirklich auf die Knie. Weder für meine Schwester noch für mich der Lieblingsabschnitt.

Kurz vor der Kapelle geht es zum Glück wieder auf einem Wanderweg bergauf. Es ist einfach so, dass bergauf zwar anstrengender auf die Puste geht, aber bergab ging bei uns beiden auf die Knie bzw. auf den Hüftbeuger. Ohne ausdehnen am Abend ging gar nichts.

Nach einem gemütlichen Aufstieg hiess es dann nach dem Grenzvogt – ein Rastplatz inklusive Weinausschank mitten im Wald – Herzlich Willkommen in Rheinland-Pfalz.

Direkt an der Grenze liegt ein Wanderbuch aus, in das wir uns natürlich auch sofort eingetragen haben. Ich gebe zu, ich habe mir die Zeit genommen, auch etwas zu lesen. Denn wir hatten gerade einen Anstieg hinter uns und da ich ja die Navigatorin war, wusste ich auch, dass uns ein knackiger steiler Anstieg noch bevor stand. Wie gesagt, pfuschen will gelernt sein.

Aber es nützt nichts, stehen bleiben war ja nun keine Option. Es hiess also „einen Schritt nach dem anderen“ immer bergauf.

Danach liefen wir knapp 2 km auf tollen Waldwegen sanft bergauf und bergab. Was für eine Ruhe im Wald, man konnte zwischendurch meinen, wir wären ganz alleine auf der Welt. Wandern hat manchmal etwas von Meditation.

Und dann war da dieses Schild mit Pfeil nach links „direkter Abstieg nach Kaub“ – aber der Rheinsteig bog rechts ab. Und herrje, wieder nach oben 🙂

Ein kurzer Blickwechsel und wir bogen rechts ab. Wenn schon, denn schon. Wir waren ja hier, um den Rheinsteig zu laufen. Und nicht, um Abkürzungen zu nehmen.

Uns blieben also noch knapp 6 km Weg bis nach Kaub. Jetzt häuften sich irgendwie die Rasthütten – vielleicht weil der Weg seit längerem direkt oberhalb des Rheins entlang ging? Wir wussten teilweise gar nicht, wo wir zuerst hinschauen sollten. Der Blick war einfach unglaublich.

Und apropos Blick: bald hatten wir auch die erste Aussicht auf die Burg Pfalzgrafenstein. Die einzige ehemalige Zollburg mitten im Rhein. Die verfolgte uns von jetzt an bis zum Ende unserer Etappe, liegt sie doch direkt vor Kaub im Rhein. Und eigentlich sahen wir sie auf der nächsten Etappe auch noch für eine ganze Weile.

Und dann – so knapp 3 km vor dem Ziel tat mir jeder Schritt weh. Ich habe innerlich wirklich geflucht, jeder Schritt mehr liess mich verzweifeln.

Und dann endlich war die Burg Gutenfels vor mir, unser Zeichen für den Abstieg nach Kaub

Ich habe mich noch nie so gefreut, eine alte Burg zu sehen. Das Wetter war toll, durch die Weinberge zu laufen ist einfach wunderschön, aber hauptsächlich, weil ich nicht mehr laufen konnte. Jeder Schritt tat weh, ich hätte heulen können.

Und wieso müssen die letzten Meter immer die schlimmsten sein? Da läuft man 13 km, nur um die letzten 500 Meter so steil bergab zu gehen, dass auch meine durchtrainierte Schwester bei jedem zweiten Schritt aufstöhnte. Alles was ich denken konnte war „bitte lass uns morgen früh einen anderen Weg wieder hoch gehen.“

Und dann endlich waren wir in Kaub angekommen und unser Hotel „Deutsches Haus“ lag zum Glück super zentral. Vom Namen her könnte man mit einem etwas altmodischen, traditionellen Haus rechnen, aber das war es gar nicht. Wieder war der Wirt super nett und humorvoll. Unser Gepäck stand schon bereit und dann ging es ab aufs Zimmer.

Hauptsache raus aus den Wanderschuhen – ich kann es nicht glauben, eine Blase! In meinen eingelaufenen Wanderschuhen, die schon so viele Touren mit mir durchgestanden haben. Wie kommt die denn dahin?

Die Füße wurden nur kurz getaped und dann ging es weiter, damit wir uns den Ort angucken konnten. Und ausserdem wollten wir rüber zur Burg Pfalzgrafenstein. Auch unser Wirt hat uns das sehr ans Herz gelegt „das lohnt sich wirklich“. Also ab auf die Fähre und rüber zur kleinen Rheininsel. Aber was soll ich sagen? Haken dran! Es hat sich nicht wirklich gelohnt. „Wegen Corona“ waren viele Teile abgesperrt – wofür Corona alles herhalten muss. Aber auch der Rest war nicht einladend oder irgendwie inspirierend. Da habe ich schon so viel bessere Museen oder Sehenswürdigkeiten gesehen.

Wieder zurück im Hotel wurde sich also für den Abend fertig gemacht und auch das Zimmer inklusive Bad mal intensiv ins Auge genommen.

Mein Highlight? Im Badezimmer lag Fußcreme bereit – so eine kleine Geste, aber für Wanderer einfach Gold wert. Ich schnappte mir erstmal die Erste-Hilfe-Tasche und verarztete meine Füße aber ich sah schwarz für den nächsten Tag.

Ich humpelte in meinen Sneakern zum Abendessen die Treppe runter – jetzt verstehe ich, warum Pilgerer auf dem Jakobsweg nur noch Flip-Flops einpacken. Man möchte Abends wirklich nichts mehr an den Füßen haben.

Mal gucken, wie es am nächsten Tag weitergehen würde….

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